AP 1/2009
tagebuch
Samstag, den 28. Februar 2009, aufgezeichnet von David Ortmann
Das »Experiment Klang« hat begonnen! Nach anderthalb Jahren der Vorbereitung erklangen am heutigen Vormittag die ersten Töne des sinfoniumsweimar, die erste Arbeitsphase des Kammerorchesters ist damit angebrochen. Dirigent Phillip Barczewski durchmaß in den beiden Proben sowohl das Bach-Konzert als auch die Beethoven-Sinfonie und wagte zudem die ersten Schritte durch die »Gesellenstück(e)«, eine auf Händel-Kantaten basierende Neukomposition von Thomas Nathan Krüger.
Der Haupt-Probenraum innerhalb der Hochschule für Musik »Franz Liszt« Weimar erwies sich als gut geeignet, angenehm hell und weitläufig, um das dreißigköpfige Ensemble unterzubringen. Die Proben für das Bach-Konzert, in das neben den Solisten und einem Cembalo nur Streichinstrumente involviert sind, finden dagegen vorerst in einem kleineren Raum statt und folgen damit der Verfügbarkeit des nur schwerlich zu transportierendem Cembalos.
Im Folgenden können Sie einen ersten Blick durchs Schlüsselloch der Proben werfen: Wir haben für Sie die Proben zu den Krüger- und Bach-Stücken fotografisch verfolgt. Weitere Neuigkeiten zum Probenverlauf finden Sie in Bälde auf dieser Seite, dann werden auch einige der Beteiligten zu Wort kommen und von ihrer ganz persönlichen Sicht auf die Arbeit des sinfoniumsweimar erzählen.
Sonntag, den 1. März 2009, aufgezeichnet von David Ortmann
Während am heutigen zweiten Probentag die Arbeit in Tutti- und Registerproben weiterging – Schwerpunkte waren an diesem Tag die Beethoven- und Krüger-Stücke –, beginnen wir hier auf der Website etwas Neues: In loser Folge werden wir Mitglieder des sinfoniumsweimar kurz interviewen und sie über neue und alte Musik, die Orchesterarbeit und die Musikvermittlung an junge Menschen sowie über weitere aktuelle Themen zu sprechen einladen. Den Reigen beginnt heute die Cellistin Gertrud Ohse.
Liebe Gertrud, heute ist der zweite Tag, an dem das sinfoniumweimar probend zusammenkommt. Wie war dein Weg hier ins Orchester?
Ich bekam von Freunden eine E-Mail, die mich einluden, mitzumachen. Die Aussicht, mit Freunden und anderen jungen Leuten zusammenzuspielen, hat mich gereizt. Ich finde es schön, dass das sinfoniumweimar ein Orchester »vor Ort« ist: Viele andere Ensembles sind ja zusammengesetzt aus Menschen verschiedener Städte und Regionen – hier ist es toll, mit Leuten zu musizieren, die man jeden Tag sieht und auch gut kennt.
Ein
Schwerpunkt dieses Orchesters ist die Vermittlung von Musik an junge
Menschen. War das auch ein Grund, sich dem Orchester anzuschließen?
Ich habe erst später davon erfahren, finde diese Art der Nachwuchsforderung aber sehr wichtig. Auch das Landesmusikorchester, in dem ich mitspiele, gibt Konzerte für (in diesem Fall Kindergarten-)Kinder, und es ist doch für diese Kinder toll zu sehen, wie Musik entsteht und funktioniert. Junge Menschen, die selber ein Instrument spielen, werden vielleicht für ihr Üben weiter motiviert, wenn sie sehen, was für ein schöner Klang aus einem solchen Orchester kommen kann, und für Kinder, die kaum mit Musik in Berührung kommen, kann das ein wichtiger erster Schritt sein, klassische Musik kennen zu lernen. Außerdem entlasten wir die Schulen: Sie können durch uns etwas Hautnahes anbieten, das sie selbst nur schwer oder gar nicht auf die Beine stellen könnten.
Wie war es denn bei dir persönlich: Wie bist du zur Musik gekommen?
Ich komme aus einer Musikerfamilie, Singen und Musizieren waren für uns etwas ganz Grundlegendes. Aber diese Art der Vermittlung, wie wir als Kammerorchester sie jetzt angehen, wäre auch früher für mich und meine Mitschüler sicher prima gewesen. Ein Großteil der jungen Leute kennt diese Art der Musik gar nicht und kann sich darunter nichts vorstellen. Auch zu meiner Schulzeit war es für für viele einfach nicht verständlich, warum man denn ein Instrument spielt. Wenn man aber in einem Konzert zeigen kann, dass klassische Musik cool und nicht verstaubt ist, wenn die Schüler sagen: »Ah, so sieht das aus, so funktioniert das!«, dann gewinnt eben diese Musik wieder an Reiz und Prestige.
Das sinfoniumweimar nennt sich »Kammerorchester für neue Musik«. Damit ist zwar einerseits die unkonventionelle Herangehensweise an klassische Werke gemeint, aber eben auch die Aufführung von Werken junger Komponisten mit der ihnen eigenen modernen Klangsprache. Was ist deine Beziehung zur Neuen Musik?
Neue Musik ist für uns Spieler deshalb so herausfordernd, weil man sehr konzentriert üben muss, um zu dem Resultat zu kommen, das der Komponist anstrebt. Aber zu diesem Klangergebnis muss man gelangen, auch wenn es schwer zu greifen ist; würde man nur so ungefähr proben, käme ein konfuses, verschwommenes Bild heraus. Hier kommt es einfach auf die Probenarbeit an. An unser Krüger-Stück »Gesellenstück(e)« müssen wir uns beispielsweise noch etwas gewöhnen – und weiterüben.
Vielen Dank für das Gespräch. Auf gutes Weiterüben an der neuen und alten Musik!
Montag, den 2. März 2009, aufgezeichnet von David Ortmann
Aus unserem Orchester »herausgepickt« haben wir heute jemanden, der auf keinen Saiten streicht und durch kein Rohr bläst – und doch der vielleicht wichtigste Teil zumindest einer Komposition ist, die das sinfoniumweimar spielen wird: Katharina Boschmann ist Gesangssolistin der ersten Arbeitsphase und singt Thomas Nathan Krügers »Gesellenstück(e)«. Wir haben uns Katharina nach der Abendprobe geschnappt und mit ihr über die Schwierigkeiten und Chancen neuer Musik gesprochen.
Liebe Katharina, in den »Gesellenstück(en)« singst du italienische Texte, die zwei Händel-Kantaten entnommen sind. Italienisch wird heute nur an wenigen Schulen gelehrt: Was erwartet die Zuhörer denn inhaltlich?
Die Texte sind ziemlich tragisch und schwermütig, es geht – wie so oft – um Liebe, um eine unmögliche Liebe. Eine Frau ist in einen Mann verliebt, darf es ihm aber nicht zeigen. In den Kantaten klagt sie nun ihre eigenen Augen an, weil diese ihre Liebe verraten haben, sie beschimpft sie richtiggehend.
Thomas Nathan Krüger hat die Texte und Elemente der originalen Händelkantaten genommen und daraus ein neues Werk komponiert, aus Klassik wird Neue Musik. Was ist für dich als Sängerin der Unterschied zwischen alter und neuer Musik?
Zum Einen hat man stimmlich ganz andere Möglichkeiten, man kann sprechen, schreien, flüstern und so weiter. Man darf aber auch mal richtig hässliche Töne erzeugen, das finde ich interessant, und natürlich wäre so etwas in der klassischen Musik undenkbar. Aber natürlich sind diese neuen Kompositionen auch sehr schwer und herausfordernd. Ich habe im April 2008 bereits ein Stück von Thomas aufgeführt, »Comme les feu ses étincelles«, das mit längeren Bögen arbeitete und das ich, um meine Töne zu finden, mit Stimmgabel sang. Bei den »Gesellenstück(en)« bleibt dafür keine Zeit, hier hilft mir ein Keyboard. Sänger können eben nicht auf Knopfdruck einen Ton aus dem Nichts erzeugen.
Im
Rahmen der Konzertformate »vorsicht dominante!«, die in dieser
Arbeitsphase in Jena und Weimar stattfinden werden, soll diese
Komposition zerlegt und diskutiert werden, damit die Kinder und
Jugendlichen einen Einblick in die Entstehung und Funktionsweise einer
modernen Komposition erhalten. Kannst du schon einen kleinen Ausblick
geben, wie ihr das machen werdet?
Wir werden erst die originalen Händel-Kantaten singen und dann, sozusagen zum Vergleich, das Krüger-Werk. Auch Thomas wird dabei sein und in seiner Rolle als Komponist zu erklären versuchen, was seine Kompositionsmittel und seine zugrunde liegende Idee war. Wir wollen beweisen, dass Neue Musik nicht schwer zugänglich ist, wenn man sich nur traut, sich auf das Gehörte einzulassen und auch mal einen Blick in die Partitur zu werfen.
Wie findest du diese Art der Vermittlungskonzerte, mit denen das sinfoniumweimar direkt in die Schulen hineingeht?
Ich finde das Grundkonzept sehr gut und bin wahnsinnig gespannt, wie es in den Schulen ankommen wird. Unseren pädagogischen Ansatz finde ich ausgesprochen wichtig. Ich hoffe, dass es den ein oder anderen inspiriert, öfter mal in die Neue Musik hineinzuhören.
Was ist deine Erfahrung mit Musikvermittlung, als du noch zur Schule gingst?
Ich war auf keiner Art von Musikgymnasium, deshalb bestand unser Musikunterricht vor allem aus Mozart und Webern, die aber schon als total langweilig empfunden wurden. Neue Musik zu hören und darüber zu reden, das war und ist sicher immer noch an einer Schule wie der meinen schwierig. Auch ich, als ich sechzehn war, hätte vieles vielleicht nicht verstanden, aber es ist eben auch eine Frage der Herangehensweise. Wenn die Schüler, wie in unseren Konzerten, einen jungen Komponisten vor sich sehen, dann ist das eine tolle Sache: Man kann ihm Fragen stellen und sehen, dass sich hier ein Künstler Zeit nimmt, mit jungen Menschen über seine musikalische Sprache zu reden. Das kann doch sehr bereichernd sein.
Besten Dank für das Gespräch!
Dienstag, den 3. März 2009, aufgezeichnet von David Ortmann
Am heutigen, vierten Tag haben wir die Instrumentalisten nicht mit Interviews behelligt und zeigen stattdessen sechs Blicke in die Abendprobe, die sich auf Beethovens vierte Sinfonie konzentrierte.
Morgen melden wir uns wieder, dann wird ein Überraschungsgast die Proben besuchen.
Mittwoch, den 4. März 2009, aufgezeichnet von David Ortmann
Es ist Mittwoch, Tag der Generalprobe, die erste Arbeitsphase des sinfoniumsweimar geht einem wichtigen Zwischenhalt entgegen: Abschluss der Proben, Beginn der Konzerte – morgen schon werden wir in der Hallenser Grundschule Riesenklein spielen.
Doch wurde heute nicht nur letzte Hand an die einzelnen Werke
gelegt, es stieß auch erstmals ein Außenstehender dazu, der noch dazu
und im besten Sinne »vom Fach« ist: Hans Rotman begleitete die
Nachmittags- und Abendprobe und gab letzte Hinweise an Orchester und
Dirigenten. Rotman ist Dirigent der Staatskapelle Halle, wo er
besonders für seine Jugend- und Vermittlungskonzerte von Neuer Musik
bekannt ist, sowie Komponist und Intendant des Festivals »impuls« für
Neue Musik in Sachsen-Anhalt.
Auch bei uns blieb Hans Rotman seinem Bonmot treu und suchte nach dem »Lekkeren« in der Musik, vor allem an den »Gesellenstück(en)« arbeitete er mit dem Orchester und lotete mit dem Dirigenten des sinfoniumsweimar, Phillip Barczewski, und dem Komponisten Thomas Nathan Krüger das Stück im Detail aus. Ein paar letzte Tipps gab Rotman den Musikern nach der Generalprobe in die baldigen Konzerte mit, bevor er sich schließlich auf den nächtlichen Heimweg machte.
Weiterführende Links zum heutigen Gast:
Homepage des festivals impuls
Homepage von Hans Rotman
Donnerstag, den 5. März 2009, aufgezeichnet von David Ortmann
Was für ein wunderbares Konzert in Halle! Frühmorgens sind wir heute, an unserem ersten Konzerttag, im dichten Nebel aufgebrochen, um nach anderthalb Fahrtstunden von strahlenden Kindern in der Hallenser Grundschule »Riesenklein« begrüßt zu werden. Im Rahmen unserer Reihe »heute hauen wir auf die Pauke« spielten wir in der Turnhalle Ausschnitte aus Beethovens vierter Sinfonie, während eine Moderatorin mit den Kindern der Frage nachspürte, was denn eigentlich ein Konzert sei. Die Instrumente mit den ihnen eigenen Tönen wurden vorgestellt, ein kurzer Ausflug in Beethovens Leben unternommen sowie schließlich die Rolle von Dirigent und Publikum geklärt.
Langer Applaus nach den einzelnen Sinfonie-Sätzen und den Musikstückchen, die die Musiker zur Vorstellung ihrer Instrumente spielten, und viele leuchtende Kinderaugen machten das Konzert auch für die Musiker zu etwas ganz Besonderem, und mit erstaunlicher Konzentration verfolgten die Zweit- bis Vierklässler die Musik und die Erklärungen.
Die
Schulleiterin Susanne Horn fand am Ende des Konzertes sehr herzliche
und bewegende Worte, wie sie das Konzert empfunden hatte. Sie stellte
besonders heraus, dass das sinfoniumweimar
ohne Gage aus Thüringen nach Halle gekommen war, um direkt in der
Schule zu musizieren, und freute sich über das ehrliche Lächeln, das
die Musiker während des Konzertes zeigten: »Ich wünsche euch, dass ihr
noch lange mit diesem Lächeln musizieren werdet.« Am Ende erhielt jeder
Instrumentalist als Dankeschön und Erinnerung einen
Riesenklein-Bleistift, »damit ihr immer einen Stift dabei habt, wenn
euch eine gute Idee über den Weg läuft«, zitierte Susanne Horn einen
Schriftsteller. Phillip Barczewski, der Dirigent des Kammerorchesters,
erhielt schließlich noch ein nachträgliches Geburtstagsständchen aus
dem Stehgreif: das Orchester spielte »Happy Birthday to you«, die
Kinder sangen kräftig und ohne übertriebenes Achten auf den Rhythmus
dazu. Phillip war den Kindern noch aus der Zeit bekannt, als er im
Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres an der Grundschule arbeitete,
er genoss heute spürbaren Heimvorteil bei den Kindern.
Morgen melden wir uns dann aus Jena. Dort werden wir um 12 Uhr beim Schülerkonzert »vorsicht dominante« die »Gesellenstück(e)« von Thomas Nathan Krüger auseinandernehmen, und 19.30 Uhr werden beim Abendkonzert erstmals alle Werke der Arbeitsphase aufgeführt. Hier soll eine grundlegende Idee des sinfoniumsweimar Gestalt annehmen: Vormittags sprechen die Kinder über eines der Werke, abends besuchen sie mit ihren Eltern das vollständige Konzert – und können denen dann erklären, was sich der Komponist dieser ungewöhnlich klingenden, neuen Musik gedacht hat.
Freitag, den 6. März 2009, aufgezeichnet von David Ortmann
»vorsicht dominante!« hieß es heute Vormittag in Jena. Das sinfoniumweimar war in die Kooperative Gesamtschule gekommen, um am Vormittag der Frage nachzugehen, was denn eigentlich ein Komponist macht. Mit dabei, sozusagen als lebendiges Beispiel, war Thomas Nathan Krüger, der in der vollen Aula den Jugendlichen kurzweilig erklärte, wie aus zwei Händel-Kantaten ein Krüger-Stück wurde. Mit Notenbeispielen, die ein Beamer an die Leinwand warf, und spontanen Ausschnitten aus beiden Werken, die einzelne Instrumente vorspielten, schauten die Schüler tief in die Machtart der »Gesellenstück(e)« – und mancher Musiker kam schon mal ins Schwitzen, wenn das Publikum ganz genau hinhörte, wie einige Takte solistisch klangen oder ex tempori eine Ganztonleiter zu spielen war.
Die anwesenden Schüler verfolgten diese etwas andere Musikstunde ausdauernd, rege und durchaus konzentriert – nicht zuletzt dann, wenn es von den Händel-Konzerten bruchlos zum »Echo«-Preisträger Peter Fox und seinem Lied »Alles neu« ging, denn hier wie dort hieß es: Genau hinhören, sich auf die sauberen Töne ebenso wie auf die Dissonanzen einlassen und bemerken, dass es frappierende musikalische Parallelen gibt, auch über Jahrhunderte hinweg.
Abends spielten wir dann unser erstes komplettes Konzert: Bach, Krüger, Beethoven. Eine schöne Aufführung, die nur manchmal von knallenden Basketbällen aus der unter der Aula liegenden Turnhalle unverhofft begleitet wurde und die leider vor einem nur mäßig besetzten Saal stattfand. Der lange, herzliche Applaus machte die leer gebliebenen Sitze aber wieder wett, die nächsten Konzerte konnten kommen, und so packten wir abends die Instrumente wieder ein und stellten das Navigationsgerät schon einmal auf die Thüringer Hauptstadt ein. Von dort berichten wir morgen.
Samstag, den 7. März 2009, aufgezeichnet von David Ortmann
Wir können auch ganz anders! Für die Landeshauptstadt hatten wir kein Vermittlungskonzert geplant, sondern »nur« ein Abendkonzert im wunderbar historischen Rathaussaal. Wo wäre es passender, Cembalo-Klänge und Beethoven zu hören, ohne das Neue aus dem Blick zu verlieren?
So wünschenswert es auch gewesen wäre, noch mehr Zuhörer in diesem ganz besonderen Ambiente begrüßen zu dürfen: Dieses weitere mit Schwung gespielte Konzert entließ das sinfoniumweimar ins wohlverdiente Wochenende. Am morgigen Sonntag werden keine Konzerte stattfinden, am Montag beschließen wir dann die erste Arbeitsphase mit einem Heimspiel, nämlich im Weimarer Goethegymnasium. Danach wird es an der Zeit sein, die Plakate wieder abzuhängen und Bilanz zu ziehen. Aber keine Sorge: Die Planung für die nächste Arbeitsphase läuft bereits auf Hochtouren! Mehr dazu bald und an bekannter Stelle, hier im »Aktuellen«.
Sonntag, den 8. März 2009, aufgezeichnet von David Ortmann
Am heutigen Sonntag finden keine Konzerte statt. Wir bloggen morgen weiter von unserem letzten Auftritt in dieser Arbeitsphase, dann aus Weimar.
Montag, den 9. März 2009, aufgezeichnet von David Ortmann
Es ist Montag – der letzte Tag der »Stunde 0: Experiment Klang!« ist angebrochen. Heute hat uns das Goethegymnasium Weimar eingeladen, im Rahmen unseres Programms »vorsicht dominante!« mit den Schülern einem Komponisten über die Schulter zu schauen, bevor dann abends unser mittlerweile bewährtes Konzertprogramm ertönt.
Auch
bei diesem Vermittlungskonzert untersuchte Thomas Krüger mit den
Anwesenden erst die Textgrundlage zweier Händelkantaten und zeigte dann
anhand von Klangbeispielen, welche »musikalischen Parameter« er in
seine »Gesellenstück(e)« eingebettet hat. Die Schüler diskutierten mit
und überlegten, wie sie die beiden Händelkantaten
verschmolzen und zu etwas Neuem gegossen hätten. Das schließt auch den
Wiederspruch zum moderierenden Komponisten mit ein: »Also, ich hätte
das anders gemacht!«
Es wurden zwei durchaus kurzweilige, kritisch hinterfragte Schulstunden, und wieder hing das Damoklesschwert der extemporierten Klangbeispiele über Musikern wie Sängerin, die dies jedoch dann im Ernstfall gekonnt stemmten. Am Ende der Schülerkonzertes erklangen die »Gesellenstück(e)« noch einmal komplett, und manch irritierende Stelle war jetzt, nachdem man einen Teil des Weges mit dem Komponisten zusammen nachgegangen war, deutlich leichter zu verdauen.
Abends verabschiedeten wir uns dann in der halligen, aber fast bis auf den letzten Platz gefüllten Schulaula von unserem diesmaligen Konzertprogramm. Doch wenn es einen tröstenden Gedanken am Ende des langen Applauses gab, so war es – neben der Freude, heute einmal keinen so langen Heimweg antreten zu müssen – die Gewissheit: Wir kommen wieder, keine Frage!
Sie können diese Texte auch als einfach zu lesende PDF-Datei herunterladen (11 Seiten, 1,76 MB) und lesen.
